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Die dänische Sprache

   

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Geschichte

 

In Nordeuropa existiert das Dänische als eigenständige Sprache seit rund 1000 Jahren und ist an sich ist Ausdruck einer nordischen, germanischen und indo­europäischen Sprachengemeinschaft.

Die germanischen Sprachen trennten sich von den übrigen indoeuropäischen Sprachen durch eine Reihe von Sonderentwicklungen bei Vokalen, Konsonanten und Betonung (dynamischer Akzent). Heutzutage haben 500 Mill. Menschen eine germanische Sprache als Muttersprache.  Es handelt sich dabei im Einzelnen um Afrikaans, Dänisch, Deutsch, Englisch, Färöisch, Friesisch, Isländisch, Niederländisch (einschließlich Flämisch), Norwegisch und Schwedisch.

Das Nordische (Nordgermanische) lässt sich von den übrigen germanischen Sprachen ab etwa 200 n.Chr. unterscheiden und ist u.a. durch zahlreiche Runeninschriften belegt. In der Wikingerzeit (ca. 750-1100) und im Frühmittelalter handelte es sich innerhalb des nordischen Sprachraums eher um Dialekte als um verschiedene Sprachen. Der nordische Sprachraum erstreckte sich bis auf Teile von Irland, auf die Britischen Inseln, die Shetland Inseln, die Orkney Inseln und die Normandie.

 

Wechselwirkungen

 

Auch wenn die Sprache keinen festgelegten Namen hatte - die dänische Zunge war weit verbreitet, in Schweden gar bis ins 13. Jahrhundert. Sie war eng mit dem Altenglischen verwandt, das sie in der Wikingerzeit stark beeinflusste. Wörter wie sky oder window kamen aus dem Norden in die englische Sprache. Dies gilt auch für zahlreiche englische Ortsnamen. Ursache für den Einfluss des Dänischen auf das Englische war nicht zuletzt, dass die Wikinger in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts drei der vier angelsächsischen Königreiche eroberten, dort sesshaft wurden und später, nach erneuten Wikingerzügen, das gesamte Land eroberten.

Seit dem Mittelalter unterlagen die nordischen Sprachen im Großen und Ganzen gesehen den gleichen Einflüssen anderer europäischer Sprachen und der klassischen Sprachen, im Mittelalter insbesondere auch des Deutschen und später in geringerem Umfang des Fran­zösischen und Italienischen. Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden alle diese Sprachen in erster Linie vom Englischen beeinflusst.

Die dänische Sprache hat ihre Form durch Wechselwirkungen erhalten; in ihrem Sprachschatz beinhaltet sie die materiellen und kulturellen Ablagerungen von Jahrhunderten, bewahrt die Begegnung zwischen dem Heimischen und dem Fremden, zwischen Altem und Neuem. Viele Vokabeln sind historisch mit Wörtern der übrigen indoeuropäischen Sprachen verwandt: mand (Mann), sove (schlafen), drikke (trinken), far (Vater), mor (Mutter), hoved (Haupt, Kopf), hus (Haus) usw. Einige Wörter hat das Dänische nur mit einer oder mehreren anderen nordischen Sprachen gemeinsam, wie z.B. bonde (Bauer) oder skov (Wald). Mit der Einführung des Christentums wuchs der Bedarf an neuen Ausdrücken – und damit entstanden neue Begriffe, oft über das Altsächsische oder das Altenglische, z.B. kirke (Kirche) und kloster.

Unter den stärksten Einfluss von außen geriet das Dänische im Zeitraum 1200-1500. Da die Hansestädte mehrere Jahrhunderte hindurch Handel und Wirtschaft in der gesamten nordischem und baltischen Region dominierten, konnte sich auch das Norddeutsche/Niederdeutsche in Dänemark ausbreiten. In den großen dänischen Städten gab es starke deutsche Bevölkerungsgruppen, und das  Niederdeutsche unterschied sich nicht so sehr von den damaligen nordischen Sprachen, wie dies heutzutage zwischen Deutsch und den skandinavischen Sprachen der Fall ist. Viele Vokabeln haben mit Handel, Handwerk und städtischem Leben zu tun, aber auch nicht wenige sind in den Grundwortschatz eingegangen, wie z.B. angst, magt (Macht) oder straks (stracks, sofort). Allein aus dem Mittelniederdeutschen hat das Dänische mindestens 1500 Vokabeln übernommen.

Auch nach der Reformation setzte sich der Import von Lehnwörtern aus dem Süden fort. Wichtigste Quelle war weiterhin die deutsche  Sprache, aber das Niederdeutsche wurde zunehmend vom Hochdeutsch abgelöst. Leicht wiedererkennbar sind Wörter mit den Präfixen ge- und er-: z.B. gespenst, gemen (gemein) oder erfare (erfahren). In Handwerk und Handel setzte sich der Strom von Lehnwörtern fort, und eine erhebliche Anzahl allgemeiner Begriffe ohne besondere Anbindung an bestimmte Bereiche kamen hinzu: billig, flot (flott), pludselig (plötzlich), munter etc.

Der Adel führte im 17. Und 18. Jahrhundert etliche französische Vokabeln ein, u.a. baron, atelier, kulisse, premiere, direktør, patrulje, dessert, redaktør, annonce usw. Zu den italienischen Lehnwörtern zählen u.a. saldo, konto, piano und cello.

Wie die meisten anderen europäischen Sprachen steht das Dänische seit dem 20. Jahrhundert unter zunehmendem Einfluss des Englischen/Amerikanischen. Dies gilt besonders für Bereiche wie Wissenschaft, Technik, Handel, Werbung, Sport, Unterhaltung und politischer Journalismus.

 

Charakteristika der dänischen Sprache

 

Vielen Ausländern fällt an der dänischen Umgangssprache die Aussprache auf, besonders der dänische Stoßton (dän. stød, engl. glottal stop). Der Stoßton ist eine starke Abbremsung der Schwingungen der Stimmbänder, nahezu ein Verschluss, was sicherlich disharmonisch, stakkatoartig klingen kann. Es ist ein Ausdruckselement, das in anderen Sprachen sehr selten vorkommt, im Dänischen aber dazu verwendet wird, eine Vielzahl von Wörtern von einander zu unterscheiden, die bei der Aussprache ansonsten verwechselt werden könnten, z.B. anden (der/die/das Zweite) oder anden (die Ente) – møller (Mühlen [Plural] oder Müller [Beruf]).

Die Aussprache des Dänischen zu entschlüsseln ist für Nicht-Dänen generell recht schwierig. Die dänische Sprache ist reich an Vokalen mit wichtigen Unterscheidungen, z.B. zwischen mile (Düne, Meiler) - mele (mit Mehl bestreuen) - mæle (sprechen, Sprache, Stimme) - male (malen, mahlen).

Vom Schriftbild auf die Aussprache zu schließen, ist ebenfalls schwierig. So werden z.B. vejr (Wetter), hver (jeder), vær (Imperativ von sein), værd (Wert, wert [adv.]) gleich ausgesprochen, ebenso wie hjul (Rad) und jul (Weihnachten).

Außer durch den Stoßton und andere besondere Merkmalen der Aussprache unterscheidet sich das Dänische von den übrigen skandinavischen Sprachen durch die sogenannten weichen Verschlusslaute. Im Nordischen entwickelten sich im Mittelalter p, t, k nach einem Vokal zu b, d, g in der dänischen Schriftsprache und noch abgeschwächter in der Aussprache. Tapa wurde zu tabe (verlieren), gata zu gade (Straße), kaka zu kage (Kuchen) usw. Die Beispiele zeigen auch, dass das Dänische die Vokale in unbetonten Silben zu e abschwächte, ausgesprochen wie ein ö oder verschmolzen mit den benachbarten Lauten.

Eine Besonderheit des dänischen Schriftbilds sind die Buchstaben æ, ø und å, die außerhalb des Nordens nur begrenzt verbreitet oder gar nicht bekannt sind.

Wie in den übrigen nordischen Sprachen und wie im Englischen ist auch im Dänischen im Laufe der Sprachgeschichte die Anzahl der Flexionsformen reduziert worden. In einem Satz wie manden rakte drengen skeen (Der Mann reichte/gab dem Jungen den Löffel) z.B. ist im Dänischen an der Form der Wörter nicht zu erkennen, ob es sich um das Subjekt, das Objekt oder das indirekte Objekt handelt.

Charakteristisch für das Dänische und die übrigen nordischen Sprachen ist, dass der bestimmte Artikel nicht vor dem Substantiv steht, sondern an dieses angehängt wird. Während im Englischen, Deutschen oder Französischen Bestimmtheit durch ein vorangestelltes Element gebildet wird, hängt man in den nordischen Sprachen dem Substantiv eine Bestimmtheitsendung an. The house, das Haus, la maison entsprechen im Dänischen huset.

Ein weiteres typisches Merkmal der dänischen Sprache ist die Möglichkeit der Passiv-Bildung durch Hinzufügung der Endung s. Der Satz Boghandleren sælger bogen (Der Buchhändler verkauft das Buch) wird in der Passivform zu Bogen sælges af boghandleren (Das Buch wird vom Buchhändler verkauft).

 

Verbreitung der Sprache

 

Gemessen an der Zahl der Personen mit Dänisch als Muttersprache rangiert das Dänische unter den 6.000 bis 7.000 Sprachen der Welt annähernd auf Platz 100. Mehr als 5 Mill. Dänen haben als Muttersprache Dänisch, das auch in der EU offizielle Amtssprache ist. Auf den Färöern leben einige Tausend Menschen, die Dänisch als erste Sprache sprechen, und die übrigen rund 45.000 Färinger als Zweitsprache. Bis 1999 war Dänisch auch auf Island zweite Sprache, seitdem aber hat Englisch diese Rolle übernommen. Auf Grönland ist neben Grönländisch das Dänische offizielle Sprache, und viele Grönländer sprechen Dänisch weiterhin als zweite Sprache. Außerdem ist Dänisch Muttersprache von mehr als 10.000 Menschen in Südschleswig, für weitaus mehr aber zweite Sprache.

 

 

Entwicklungen

 

Heute ist Dänisch die nordische Sprache, deren Aussprache sich von Generation zu Generation am schnellsten verändert, und schneller als in den meisten anderen Ländern haben sich hier in den vergangenen hundert Jahren auch die Dialekte zurückentwickelt. Allerdings gibt es weiterhin erhebliche regionale Unterschiede zwischen der Sprache der Menschen auf Seeland, auf Fünen und in Jütland.

Dänisch wird von weit über 90 Prozent der Einwohner Dänemarks gesprochen. Dennoch beschäftigen sich viele Dänen mit Sprachbarrieren innerhalb der dänischen Gesellschaft. Heute ist die Diskussion besonders von der sprachlichen Situation für Einwanderer und Flüchtlinge in Schule und Gesellschaft geprägt und von der Furcht davor, dass Englisch die dänische Sprache verdrängen könnte. In Wirklichkeit lässt sich ein Einfluss der zahlreichen unterschiedlichen Sprachen der Einwanderer auf das moderne Standard-Dänisch nicht belegen.

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