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Reisen im Zeichen der Kontaktfreude
Von Beginn an
knüpfte Andersen auf seinen Reisen Kontakte zu deutschen Dichtern und
Denkern, so z.B. zu Adalbert von Chamisso, der ihn in Berlin in die
literarische Gesellschaft einführte, oder zu dem Philosophen Friedrich
Wilhelm Schelling. Auch Bettina von Arnim, eine alte Freundin Goethes,
sowie Amalie Freiherrin von Gross, die unter dem Pseudonym Amalie Winter
schrieb, oder auch die Gebrüder Grimm sind in diesem Zusammenhang zu
nennen.
Ebenfalls im Juni 1844 wurde Andersen dem Großherzogpaar zu Sachsen-Weimar vorgestellt – der Beginn einer langen und herzlichen Freundschaft. Ende Juli desselben Jahres besuchte Hans Christian Andersen zum ersten Mal Major Friedrich Anton Serre und dessen Familie auf Gut Maxen. In den folgenden Jahren entstand daraus eine tiefe Freundschaft zur gesamten Familie Serre, und Andersen kehrte später immer wieder gerne in die Vertrautheit zurück, die ihm auf Gut Maxen entgegengebracht wurde.
Im
Dezember 1845 wurde der dänische Dichter vom Preußenkönig Friedrich
Wilhelm IV. zur Tafel geladen, und im Juni 1852 erhielt er eine Einladung
von König Maximilian von Bayern zu einer Bootstour auf dem Starnberger
See. Hans Christian Andersen las auf Bitten des Königs aus seinen Märchen
vor, und schon wenige Tage später folgte eine Audienz bei König Ludwig,
dem Vater von König Maximilian. Auch im darauf folgenden Jahr arrangierte
König Max eine Ausfahrt und bat den Dichter, ihn zu besuchen, wann immer
er in Bayern sei.
Die erste deutschsprachige Übersetzung eines Textes von Hans Christian Andersen war sein Gedicht „Das sterbende Kind“, das 1831 im Flensburger Wochenblatt gedruckt wurde. In den vier darauf folgenden Jahren wuchs das Interesse an seiner Lyrik, die ins Deutsche übersetzt und in Zeitschriften und Wochenblättern veröffentlicht wurde. 1835 kam es zur ersten Veröffentlichung eines Prosatextes von Andersen. Unter dem Titel „Jugendleben und Träume eines italienischen Dichters“ wurde sein erster Roman auch in Deutschland herausgegeben. Die Kritiker analysierten interessiert seinen Schreibstil, und die Folge waren viele gute Kritiken. Als Hans Christian Andersen 1836 die Reiseschilderungen seiner ersten Deutschlandreise veröffentlichte, war das Interesse seitens der Literaturkritiker gering. Doch bereits im Folgejahr 1837 sollte das Interesse durch die Veröffentlichung des Romans „O.T.“ wieder geweckt werden: Das Spektrum der Kritik reichte dieses Mal von vernichtenden Kommentaren bis zu sehr lobenden Äußerungen.
1838 folgte mit „Nur ein
Geiger“ ein Buch, das in seiner Mischung aus Fakten und Fiktion die
Leserschaft fesselte und in großem Maße an der Mythenbildung um die Figur
des „begnadeten Geschichtenerzählers aus ärmsten Verhältnissen“ beteiligt
war. 1839 wurde schließlich Andersens erste deutschsprachige
Märchensammlung veröffentlicht. Der Erfolg dieser Sammlung hielt sich
jedoch in Grenzen, hatte sie doch den wohl nicht die gesamte Leserschaft
ansprechenden Titel „Märchen und Erzählungen für Kinder“. |
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Hans Christian Andersens bis heute gern gelesenes Märchen „Die kleine
Meerjungfrau“ wurde 1840 zunächst im Stil einer Fortsetzungsgeschichte in
zwei literarischen Zeitschriften veröffentlicht. Die Resonanz war groß,
und in den darauf folgenden Jahren wurden immer wieder einzelne seiner
Märchen in deutschen Zeitschriften und Wochenblättern gedruckt. Unter dem
Titel „Bilderbuch ohne Bilder“ kam es in den Jahren 1841, 1842 und 1844
zur Veröffentlichung von Sammlungen kleiner Prosastücke, die ein wahrer
Erfolg wurden. Doch erst mit der Veröffentlichung seiner dritten
Märchensammlung „Neue Märchen und Erzählungen für Kinder“ (1845) gelang
Andersen der endgültige Durchbruch auf dem deutschen Buchmarkt. Die Hans Christian Andersen-Rezeption in Deutschland Die Reaktionen auf seine Veröffentlichungen in Deutschland haben Hans Christian Andersen Zeit seines Lebens immer wieder überrascht. In seinen Tagebuchaufzeichnungen und insbesondere im Austausch mit seiner langjährigen Oldenburger Brieffreundin Lina von Eisendecher wird dies deutlich erkennbar. Im stetigen Vergleich mit der Bewertung seiner Werke im Heimatland Dänemark kam es oft zu Bemerkungen wie dieser: „(...) ich fühl es wohl, ich werde überschätzt im Auslande, grad so viel, wie ich werde nicht erkannt im Vaterlande.“ Die so positive deutsche Resonanz wurde für den Dichter mehr als einmal zum Prüfstein für sein Verhältnis zur Heimat. Schließlich stieß er im dortigen Kritikerkanon weit häufiger auf negative Reaktionen.
Die Andersen-Rezeption war in
Deutschland von Beginn an ein zweiseitiges Phänomen. Auf der einen Seite
standen die vielen Freunde, die der dänische Dichter im Verlauf seiner
Deutschlandreisen gewann und die ihn immer wieder zum Vorlesen ihrer
individuellen Lieblingstexte aufforderten. Die Reaktionen waren dann stets
Begeisterung und Faszination, nicht selten glichen sie einer Vergötterung.
Adlige wie der König von Preußen oder der Großherzog zu Sachsen-Weimar
ließen sich ihre persönlichen Favoriten aus dem großen Vorrat an Märchen
und Erzählungen vorlesen, und auch in der deutschen Kulturszene wurde der
Dichter zum wandelnden literarischen Event.
Inspirationen aus dem "zweiten Vaterland"
Durch den Besuch deutschsprachiger Inszenierungen am Theater von Odense
entwickelte Hans Christian Andersen von Kindesbeinen an ein Verhältnis zur
deutschen Sprache. Als Schüler las er Heinrich Heine und E.T.A. Hoffmann.
Sein Poesiealbum aus jenen Tagen ist zu zwei Dritteln mit Abschriften von
deutschen Dichtern wie Goethe, Schiller, Jean Paul, Wieland, Tieck,
Gellert und Lessing – und natürlich Heine und Hoffmann gefüllt. Andersen
zeigte sich also bereits als Schüler durch deutsche Dichter beeindruckt –
seine ersten veröffentlichten Gedichte gelten als Zeugnisse dieser
Prägung.
Auch die nachfolgenden Reisen nach Deutschland inspirierten
Andersen durch die Begegnung mit der Vielfalt der Landschaften und
Kulturen. Im Verlauf seiner ersten langen Bildungsreise 1833 und 1834 kam
es in München zu einer Begegnung mit dem Philosophen Friedrich Wilhelm
Schelling, der als Begründer der romantischen Naturphilosophie gilt. Die
Vorstellung Schellings von der beseelten und geistig dynamischen Natur
spiegelt sich eindrucksvoll in Andersens Märchen „Die kleine Meerjungfrau“
wider. Text: Juliane Steffen |
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